Prof. Dr.Dr.
Franz König

Geistlicher, Theologe, Erzbischof von Wien, Kardinal

* 1905   † 2004

 

Lebenslauf

Franz König wurde am 3. August 1905 in Warth, Gemeinde Rabenstein, in eine Bauernfamilie hinein geboren. Er hatte neun Geschwister.

Er besuchte das Stiftsgymnasium Melk, wo er insbesondere eine hervorragende Ausbildung in mehreren Fremdsprachen erhielt. So wurde er neben den Pflichtfächern Griechisch und Latein auch in den Wahlfächern Französisch, Englisch und Italienisch unterrichtet. Dies übrigens von einem einzigen Lehrer.
Den Religionsunterricht fand er eher langweilig, umso mehr war er anderen Sachgebieten zugewandt.

Collegium Germanicum, Priesterweihe, Jugendseelsorger

Das Interesse am Priesterberuf bildete sich dementsprechend erst nach und nach aus. Im Alter von 18 Jahren war Franz König unglücklich verliebt. Doch letztlich prägten ihn frühe Erfahrungen in Rom, wo er im Collegium Germanicum wohnte. Dennoch erwarb er zunächst das Doktorat in Philosophie, erst später in Theologie.

Franz König erhielt 1933 die Priesterweihe und wirkte in den Jahren des zweiten Weltkriegs als Jugendseelsorger.

Lazarettpfarrer, Religionslehrer, Bischof-Koadjutor

In der NS-Zeit lebte er in St. Pölten. Er überstand mehrere Verhöre der Gestapo und Bespitzelungen. Nachdem St. Pölten von der Kriegsfront überrollt worden war, zeichnete er sich als Lazarettpfarrer aus und kümmerte sich um die in den Domkeller geflüchteten Frauen. So bewahrte er eine Frau, die von einem in den Schlafsaal geplatzten Sowjetsoldaten überrascht wurde, vor einer Vergewaltigung, in dem er angab, es handle sich um seine Frau.

Der Kontakt mit der Jugend war König Zeit seines Lebens wichtig. Nach dem Krieg wirkte er ab September 1945 als Religionslehrer. Er diskutierte mit jungen Menschen über Gott und die Welt. In Religionsstunden betete König mit den Teilnehmern in fremden Sprachen. Er verfiel nie in das gespreizte Pathos der Kirchensprache, sondern war stets bemüht, verständlich zu wirken und Brücken zu bauen.

1949 wurde er Professor für Moraltheologie an der Universität Salzburg. Von 1952-1956 war er Bischof-Koadjutor in St. Pölten.

Erzbischof von Wien von 1956 - 1985

Bevor er in der Nachfolge von Theodor Innitzer 1956 zum Erzbischof von Wien berufen wurde, hatte er sich bereits einen Namen als unkonventioneller Mann der Kirche gemacht. Er wirkte nämlich als Referent für Jugend und Presse in der Bischofskonferenz, wo seine Begabungen erkannt worden waren. Doch die Berufung zum Erzbischof war eine Überraschung, Franz Jachym galt als Favorit, stand aber der damaligen ÖVP wegen seines sozialen Engagements offenbar zu links. Franz König war es dann, der wiederum als Brückenbauer zu den Sozialdemokraten agierte. Was als “zu links” einzuordnen ist, hängt wohl vom subjektiven Standpunkt des Betrachters ab.

Kardinal Franz König war von 1956 bis 1985 Erzbischof von Wien.

schwerer Autounfall 1960 führt auch zu Neuausrichtung

Im Winter 1960 überlebte er einen Autounfall bei Waraschdin, damaliges Jugoslawien, schwer verletzt. Königs Zeremonär Helmut Krätzl trug ähnlich schwere Verletzungen davon. Der Chauffeur der beiden Kirchenmänner, Martin Stadler, war auf der Stelle tot.

Die drei Männer starteten am 13. Februar 1960 von Graz aus mit der schweren Dienstlimousine des Kardinals Richtung Zagreb. Sie wollten um zehn Uhr am Requiem für den verstorbenen kroatischen Erzbischof Alojzije Kardinal Stepinac teilnehmen. Es herrschten die Fahrt behindernde Wetterbedingungen wie dichter Nebel und Glatteis. Martin Stadler hatte als Chauffeur viel Erfahrung und stand bereits seit 1933 in Diensten des Ordinariats. Er entschied sich, eine besser ausgebaute Straße zu wählen, wenngleich sie einen kleinen Umweg von 14 Kilometern bedeutete.

Nur wenige Kilometer von Waraschdin entfernt, ereignete sich der verhängnisvolle Unfall. Martin Stadler wollte einen Radfahrer überholen, übersah dabei jedoch einen entgegenkommenden Tiefkühlwagen. Der Mercedes krachte mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h in den Lastwagen. Zunächst war von schweren Schädelverletzungen bei beiden Priestern die Rede. Von Seiten der Politik wurden Genesungswünsche gesendet. Es telegrafierten Bundespräsident Schärf, ebenso Bundeskanzler Raab und der neue ÖVP-Obmann Alfons Gorbach.

Eine Woche nach dem Unfall wurden Kardinal König und Zeremoniär Krätzl mit dem Flugzeug nach Wien transportiert. Beide Kirchenmänner waren drei Monate in Spitalspflege und mussten mehrere Operationen überstehen. Im Spitalszimmer kam in Franz König der Gedanke auf, dass er als Erzbischof von Wien nicht nur zum Begräbnis des Zagreber Erzbischofs Stepinac, Faustballkamerad aus dem Germanicum, sondern zu möglichst vielen Christen im so genannten Ostblock reisen müsse. Dies tat er zukünftig ausgiebig.

Ökumene, Schlüsselfigur des zweiten Vatikanischen Konzils

Franz König tat viel für die Ökumene. Der Ökumenische Rat der Kirchen war bereits 1958 gegründet worden. König hatte den Kirchen der Reformation von Anfang an signalisiert, dass die katholische Kirche mit ihnen in einem Boot sitze.

Für das zweite Vatikanische Konzil, das von 1962 bis 1965 stattfand, leistete er als Mitglied zweier Kommissionen wesentliche Beiträge. Er wurde zur Schlüsselfigur, weil die katholische Kirche in Österreich bereits neue Wege ging. Die Kirche positionierte sich als Gewissen der Gesellschaft mit ökonomischer Ausrichtung, suchte den Dialog mit allen Religionen und war bemüht, den Laien mehr Gewicht zu geben.

"Pro oriente", Anerkennung von kirchlicher Seite und von breiten Teilen der Bevölkerung

Besonders hervorzuheben ist, dass Franz König im Jahre 1964 den kirchlichen Stiftungsfonds "Pro Oriente" errichtete. Er selbst hatte dort den Vorsitz bis 1985 inne. Es konnten bedeutende Fortschritte in der Zusammenarbeit mit den Kirchen Osteuropas und Asiens erzielt werden.

Franz König war auch der Kontakt mit Nichtglaubenden wichtig. Von 1965-1980 war König Präsident des Vatikanischen Sekretariats für die Nichtglaubenden. Durch seine zum Ausdruck gebrachte Toleranz und Güte wurde ihm sowohl von der Kirche als auch in der Bevölkerung insgesamt Anerkennung zuteil.

Nguyen Van Tin und dessen Familie

Im Jahre 1979 nahm er eine Familie aus Vietnam ins Erzbischöfliche Palais auf. Er kümmerte sich persönlich um das Wohlergehen dieser Familie. Seine Umgebung war weniger von den Umständen angetan, dass im sechsten Stock des erzbischöflichen Palais im Gästezimmer Nguyen Van Tin und seine Familie lebten. Unterstützt wurde Kardinal König von seiner langjährigen Sekretärin Annemarie Fenzl. Er ließ im Palais für die drei kleinen Kinder eine Sandkiste aufstellen. Dem Familienvater Nguyen Van Tin verschaffte er einen Arbeitsplatz in der Hausdruckerei der Erzdiözese und nahm die Kinder in den Sommermonaten in seinen Urlaubsort nach Vorarlberg mit.

Die Familie war dem Kardinal so sehr dankbar, dass sie alle getauft werden wollten. Franz König verhielt sich zunächst zurückhaltend, weil er nicht den Anschein erwecken wollte, seine Hilfe sei an eine Bedingung geknüpft. Doch schließlich taufte er die vietnamesischen Flüchtlinge und deren Kinder. Er vermählte die Eltern auch kirchlich, wies aber auf deren buddhistische Wurzeln hin.

"Die Kinder des Kardinals"

Es gibt einen wunderbaren Film, der die Geschichte der “Kinder des Kardinals” zum Gegenstand hat. Aus dieser Dokumentation wird deutlich, wie innig die Verbindung der Familie zu Kardinal König bis zu dessen Tod war. Der älteste Sohn der Familie erzählte von den letzten Tagen des Kardinals, die er am Sterbebett seines “Vaters” verbracht hat.

„Ich denke oft darüber nach, was aus uns geworden wäre, wenn der Kardinal uns nicht bei sich aufgenommen hätte. Ob ich jemals die Chance erhalten hätte, einen Beruf zu erlernen und eine Familie zu ernähren?“

Ehrungen und Auszeichnungen

1963 Ehrendoktor der Universität Wien
1972 Ehrendoktor der Universität Salzburg
1966 Mitglied der American Academy of Arts and Sciences
1968 Goldenes Ehrenzeichen des Landes Vorarlberg
1987 Karl-Renner-Preis der Stadt Wien
1993 Hanns Martin Schleyer-Preis
1994 Donauland Sachbuchpreis
1995 Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich
1998 Großkreuz des Verdienstordens der Republik Polen
1998 internationaler Adalbert-Preis
1999 Toleranzpreis der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste
1999 Großkreuz des Verdienstordens der Republik Ungarn
2000 Orden des Weißen Doppelkreuzes 1. Klasse
2002 Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte
2002 Viktor Frankl-Preis der Stadt Wien
Mérite Européen in Gold

Werke (Auswahl)

Pontif. Univ. Gregoriana. Die Amesha Spentas des Awesta und die Erzengel im Alten Testament. Eine religionsgeschichtliche Untersuchung. Verlag Wedl, Melk 1935
Christus und die Religionen der Erde. 3 Bände. Herder, Wien 1951
Bilanz des Konzils. Katholisches Bildungswerk der Erzdiözese Wien, Wien 1966
Der Aufbruch zum Geist. Styria, Graz u. a. 1972
Mein zweiter Weg zu Christus. Hoffnungen im Umgang mit Jugendlichen, in: entschluss, 1984, Heft 4, Seite 17.
Felix Unger und Franz Kardinal König (Hrsg.), Und wir haben doch eine Zukunft. Mensch und Natur an der Schwelle zum 3. Jahrtausend. Verlag Herder, Freiburg – Basel – Wien 1990.
Franz König/ Hans Waldenfels (Hrsg.): Lexikon der Religionen. Herder, Freiburg – Basel – Wien 1999

Literatur

Franz König, Annemarie Fenzl, Heinz Nußbaumer: Gedanken für ein erfülltes Leben. Styria, 2013
Annemarie Fenzl (Hrsg.): Kardinal König. Herold, Wien 1985
Annemarie Fenzl: Kardinal Franz König Erzbischof von Wien. In: Jan Mikrut (Hrsg.): Die katholische Kirche in Mitteleuropa nach 1945 bis zur Gegenwart. Dom Verlag, Wien 2006
Franz König, Christa Pongratz-Lippitt (Hrsg.): Open to God, Open to the World. Burns & Oates/Continuum, London 2005
Franz König: Franz Kardinal König. Tyrolia Verlag, 2005
Franz König, Annemarie Fenzl, Reginald Földy: Haus auf festem Grund. Amalthea, 2004
Johannes Kunz: Der Brückenbauer. Kardinal Franz König 1905–2004. Molden Verlag, 2004
Franz König, Annemarie Fenzl, Reginald Földy: Unterwegs mit den Menschen. Topos Plus, 2004, (Mit einem Nachruf auf Kardinal König von Maximilian Liebmann.)
Hubert Feichtlbauer: Franz König – Der Jahrhundert-Kardinal. Holzhausen-Verlag, Wien 2003

“Der Kardinal”, eine Verfilmung des Lebens von Kardinal König

2010 entstand ein Dokudrama über das Leben von Franz König, umgesetzt von Andreas Gruber. August Zirner stellte Kardinal König dar. Zum Teil wurde an Originalschauplätzen gedreht.

Letzte Jahre, Tod und letzte Ruhestätte

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in seiner Seniorenwohnung bei den Barmherzigen Schwestern. Doch er blieb nie untätig, schrieb viel, unternahm Reisen, hielt Vorträge und wurde noch kurz vor seinem Tod mit einem 13. Ehrendoktorat bedacht.

Franz König verstarb am 13. März 2004. Er wird als Brückenbauer der Kirche unvergessen bleiben. Seine letzte Ruhe fand er in der Bischofsgruft in den Katakomben des Stephansdoms.

Kardinal-König-Platz, Denkmal in Kottingbrunn

Der Kardinal-König-Platz in Wien-Hietzing wurde ihm zu Ehren benannt.

Kardinal-König-Kunstpreis

Seit dem Jahr 2005 wird im Gedenken an den Kardinal von der Erzdiözese Salzburg alle zwei Jahre der Kardinal-König-Kunstpreis verliehen.

Die Preisträger:

2005 Hans Schabus
2007 Nicole Six und Paul Petritsch
2009 Marko Lulić
2011 Christian Mayer
2013 Kathi Hofer
2015 Julia Haller

Weblinks

Wir erinnern uns

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